Ohne Zweifel prägen Russland und China bereits heute die Weltpolitik in umfassendem Maße und werden dies im Laufe des 21. Jahrhunderts weiterhin tun. Dabei ist augenscheinlich, dass die Beziehungen zwischen beiden Mächten häufig verkürzt als Freundschaft zwischen Autokratien beschrieben, die gegen die westliche Wertegemeinschaft gerichtet seien. Dies ist sicher nicht ganz falsch, in der Beschreibung aber zu unterkomplex.
Die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der sino-russischen Beziehungen stand im Mittelpunkt einer öffentlichen Veranstaltung, die die Akademie in Kooperation mit der Universität zu Köln und der Universität Bonn veranstaltete. Die öffentliche Abendveranstaltung bildete den Auftakt einer Konferenz, die von der Gerda-und-Hermann-Weber-Stiftung in der Bundesstiftung Aufarbeitung gefördert wurde. Unter der Moderation von Felix Wemheuer (Universität Köln) diskutierten Susanne Weigelin-Schwiedrzik (Universität Wien), Kirsten Bönker (Nordost-Institut an der Universität Hamburg IKGN e.V.) und Lorenz Lüthi (McGill University, Montreal).
Aus historischer Perspektive wurde besprochen, dass Allianzen zwischen China und Russland in der Geschichte immer nur temporär und nie dauerhaft angelegt waren. Ideologische Konflikte und Streitigkeiten um die Rollenverteilung führten zur Spaltung der kommunistischen Weltbewegung und mündeten in Feindseligkeiten wie den Ussuri-Grenzkonflikt von 1969. Auch heute bleibt die gegenseitige Wahrnehmung beider Länder ambivalent. Häufig waren die beiden Mächte Teil von komplexen Dreierkonstellationen, bei denen mindestens eine Macht immer darum bemüht war, einen Keil zwischen die beiden anderen zu treiben. Weiterhin wurde erörtert, dass der Begriff Kalter Krieg die weltpolitischen Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nur sehr verkürzend und unzureichend erfasst. Der Bogen wurde bis zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gespannt, der nach Ansicht der Panelisten eine zentrale Rolle für die sich aktuell wandelnde Weltordnung spielt.